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Thomas Becker Thomas Becker
ARC-Nachprüfung erfordert Prüfung sämtlicher AD's/LTA's
Erstellt von Thomas Becker vor 10 Monaten
In einem Verfahren gegen einen Prüfer im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als ARS Personal einer CAMO hat das Verwaltungsgericht Braunschweig mit Beschluss vom 16.11.17 entschieden, dass vor einer Ausstellung eines ARC alle AD-Notes/LTA's überprüft werden müssen. Das war bisher allgemein bekannt, was allerdings neu ist, diese Überprüfung soll bei jedem Airworthiness Review erneut komplett durchgeführt werden. Man darf sich nicht mehr auf alte Aufzeichnungen verlassen.

Begründet wurde dies mit dem überragenden Interesse an der Flugsicherheit.

Eine Farce, wenn man bedenkt, dass diese Forderung genau von der Behörde eingeklagt worden ist, die gerade die Nachprüfung der elektronischen Ausrüstung abgeschafft hat.

Der gesamte Beitrag ist unter http://www.air-law.de/Publikationen nachzulesen.

Thomas BeckerThomas Becker
Thomas Becker antwortete vor 3 Wochen...

Beitrag aus der Prüferinfo 2018-02

Stellungnahme des LBA zum Artikel von RA Frank Dörner zum Thema „ARC-Erneuerung /Verlängerung erfordert Prüfung sämtlicher AD’s/LTA’s“

Sehr geehrter Herr Dörner
die Veröffentlichung auf der Internetseite ihrer Kanzlei für Luftrecht „air-law.de“ rief einige Verunsicherungen bei dem Personal hervor, das Prüfungen der Lufttüchtigkeit zur Ausstellung eines Airworthiness Review Certificate (ARC) durchführt. Das belegen verschiedene Anfragen beim Luftfahrt-Bundesamt, als auch bei ihnen, wie sie mir im Gespräch mitteilten. Wir wollen im Folgenden zum Umfang dieser Prüfungen Stellung nehmen:

Der Ablauf, der Umfang und die Dokumentation einer Prüfung zur Ausstellung eines ARC sind im CAME bzw. MOE einer dazu berechtigten CAMO bzw. eines Teil-145 / Teil M/F Betriebes in Verfahrensanweisungen festzulegen.

Diese Verfahrensanweisungen und ihre Revisionen sind genehmigungspflichtig. Das Luftfahrt-Bundesamt prüft deren Übereinstimmung mit dem geltenden Luftrecht und genehmigt diese. Das Personal zur Prüfung der Lufttüchtigkeit der genehmigten Betriebe ist verpflichtet, die Prüfungen entsprechend diesen Verfahren durchzuführen.

Der Paragraf M.A.710 der Verordnung (EU) Nr. 1321/2014 der Kommission und zugehöriges AMC-Material geben Aufschluss über den Mindestumfang der durchzuführenden Prüfungen, der sich in den entsprechenden Verfahrensanweisungen widerspiegeln muss. Neben einer physischen Prüfung ist eine Dokumentenprüfung durchzuführen. Die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfungen ist vollständig zu dokumentieren. Die Dokumentation der Prüfung erfolgt anhand von betriebsinternen Formularen, die Bestandteil dieser Verfahrensanweisungen sind.

Während der Lufttüchtigkeitsprüfung sind alle relevanten Systeme und Dokumente vollständig zu prüfen. Aus den verschiedenen Dokumenten, die die Lufttüchtigkeit belegen (Liste der lebensdauerbegrenzten Komponenten, LTA-Status Listen, SB-Status Listen etc.), sind mindestens Stichproben der darin enthaltenen Maßnahmen zu nehmen, die auf ihre ordnungsgemäße Durchführung zu überprüfen sind. Der Begriff der „Vollständigkeit“ im Paragraf M.A.710 (a) richtet sich an die vollständige Prüfung aller Dokumentenarten – nicht an deren Inhalte. Das AMC M.A.710 (a) legt fest, dass in den jeweiligen Dokumenten mindestens Stichproben zu entnehmen sind, die auf ordnungsgemäße Durchführung der erforderlichen Maßnahmen zu prüfen sind.

Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass das AMC M.A.710(a) ein akzeptables Nachweisverfahren festlegt, das – sofern es vom Antragsteller im Rahmen seiner betrieblichen Verfahren entsprechend umgesetzt wird – von der zuständigen Stelle als Nachweis der Einhaltung der zugehörigen Vorschrift als ausreichend zu betrachten ist („acceptable means of complicance“, vgl. https://www.easa.europa.eu/document-library/acceptable-means- compliance-amcs-and-alternative-means-compliance-altmocs).

Die Stichprobenmenge und wie diese Stichproben auszuwählen sind, ist in den Verfahrensanweisungen zur Durchführung einer Lufttüchtigkeitsprüfung festzulegen. Abhängig vom Einzelfall genehmigt das Luftfahrt-Bundesamt grundsätzlich Verfahrensanweisungen, in denen die Stichprobenmenge mindestens den Zeitraum bis zur vorangegangenen Lufttüchtigkeitsprüfung vollständig abdeckt (100 % - Prüfung). Gegebenenfalls sind weitere Stichproben aus vorangegangenen Zeiträumen zu nehmen. Alle im letzten Zeitraum durchzuführenden Maßnahmen (z.B. LTA‘s) sind auf ordnungsgemäße Durchführung anhand vorhandener Dokumente und stichprobenartig am Luftfahrzeug zu prüfen.

Die Rolle des Personals zur Prüfung der Lufttüchtigkeit (ARS) ist zudem näher in dem GM M.A.710 beschrieben. Es kann eigenständig entscheiden, darüberhinausgehende Prüfungen vorzunehmen, sofern es das für erforderlich hält. Es kann sich auf die ordnungsgemäße Durchführung vorangegangener Prüfungen verlassen, sofern diesbezüglich keine Zweifel (u.a. aufgrund der vorliegenden Dokumente für das Luftfahrzeug) bestehen.

Die Ausstellung der Bescheinigung über die Prüfung der Lufttüchtigkeit durch das ARS bestätigt, dass das betreffende Luftfahrzeug auf der Grundlage des Umfangs der durchgeführten Prüfung und der Tatsache, dass dem ARS keine die Luftsicherheit gefährdenden Umstände bekannt sind, zum Zeitpunkt der Prüfung als lufttüchtig betrachtet wird.
Es bleibt in der Verantwortung des Halters bzw. seiner mit der Führung der Lufttüchtigkeit beauftragten CAMO, dass das Luftfahrzeug vollumfänglich und zu jedem Zeitpunkt lufttüchtig ist (GM M.A.710 letzter Satz).

Wir hoffen mit unseren Ausführungen zu mehr Rechtssicherheit beim Airworthiness Review Staff beizutragen. Es bestehen daher keine Einwände dieses Schreiben an interessierte Kreise weiter zu geben oder es vollständig auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag


Carsten Konzock
(Stabsstelle Behördenleitung – Referent Technik)


Holger MöhrkeHolger Möhrke
Holger Möhrke antwortete vor 9 Monaten...

Ich kann mich da leider nur anschließen, denn es reicht ja nicht die Bescheinigung der Durchführung auf dem Papier sondern auch die Feststellung der Durchführung am Lfz. Also eine physikalische Prüfung alle 12 Monate. Je nach Alter des Lfz, der Anzahl an LTA s ein enormer Aufwand.
Als Prüfer kann ich für mich nur entscheiden kein ARC mehr durchzuführen, denn ich glaube kaum, das mir der Chef der CAMO die Zeit einräumt die eine gründliche Prüfung braucht. Den der Kunde zahlt das ja auch nicht.
Die Behörde , die also den Piloten (Light M) , die Möglichkeit einräumt ihr IHP selbst zu schreiben, legt also zweierlei Maß an.
Danke


Rolf MailänderRolf Mailänder
Rolf Mailänder antwortete vor 9 Monaten...

Gehen wir mal davon aus, das dieses jetzt gängige Praxis werden soll. Dieses ergibt damit 2 Fakten:
1. Durch die jährliche, vollständige Prüfung mit erheblichem Zeitaufwand z.B. eine Beech C 23 Sundowner Baujahr 1973, wird sich
der Preis für das AR mindestens verdoppeln. Es müssen 45 Jahre LTA für Flugzeug und Komponenten überprüft werden.
In den LTA wird meist nur ein Verweis auf SB angegeben.
Dieses SB muß jährlich geöffnet und geprüft werden auf Betroffenheit bezüglich Typ und/oder Serialnummer.
Auf alte Liste darf ich mich jetzt nicht mehr verlassen.
Wer soll oder will das bezahlen ???
2. Um zu prüfen, ob alle LTA durchgeführt sind, brauche ich erstmal eine vollständige Liste aller LTA.
Und damit fängt das Problem an.
Auf der LBA-Homepage sind zwar 820 Seiten LTA´s aufgelistet, jedoch schreibt das LBA selbst
Zitat: " Wir weisen darauf hin, daß die hier aufgeführten Listen über LTA teilweise unvollständig sind "
Auf welcher Grundlage soll ich also die LTA prüfen ?
Wenn das LBA schon keine Gewährleistung der Vollständigkeit übernehmen kann, wie soll das erst ein "kleiner" Prüfer tun ?
Um einen Lizenzentzug zu vermeiden, dürfen wir als ARS wegen der Unsicherheit kein AR mehr ausstellen.
Damit bleiben alle Flugzeuge bei der jährlichen Prüfung am Boden.
Ein ganzer Berufszweig wird damit ausgelöscht...die Fliegerei sowieso.

Mein oben aufgeführter Punkt 1 hätte sich auch erledigt und es wäre für alle billiger, da kein AR mehr durchgeführt wird.

Das überragende Interesse an der Flugsicherheit besteht wohl in der Abschaffung des Luftverkehrs. Dann kann auch nichts mehr passieren.

Rolf Mailänder


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